No matter which way you go

Erst 2 Wochen her, dass ich während der Physikklausur einen Brief an meine Mutter geschrieben und lautlos geheult hab, einen leeren Zettel abgegeben und die Frage, ob alles okay sei, zu schnell nickend bejaht. Armer Herr N., er muss gedacht haben, die 0Punkte würden mich so fertig machen.
In den Zug gesetzt, zittrig und unsicher, heimkommen wollen und vielleicht enttäuscht worden und mich vielleicht mich selbst enttäuscht, aber mann, ich fang nunmal nicht von selbst an zu erzählen, zu klagen und zu heulen. Tränen muss man mir aus der Nase ziehen, alles andere wäre Mitleidserhascherei. Und am nächsten Tag und nüchtern waren die Gefühle nichtmehr wahr.
Heimgekommen vom 3tägigen Dornröschenschlaf, noch in der Hoffnung, jetzt würde sich alles ändern. Bla. Nicht ein Wort haben wir seitdem übers Ausziehen verloren, meine Verzweiflung hat sie einfach weggelächelt.
Dass ich eine Flasche Sekt leeren muss, bevor ich einen Nachmittag mit ihr verbringen kann und danach nochmal eine, scheint sie nicht sonderlich seltsam zu finden. Aber vielleicht liegt das an der Alkoholikerfamilie.

"Ich liebe dich" ist in mein Standartvokabular übergewandert, gelogen ist es nicht, aber der Moment, indem ich dachte, dass ich ihm wirklich ganz gehören will, ist auch schon wieder so verblasst.
Vielleicht zu wenig Selbstzerstörung. Trotz täglichem Sektgebrauch fühle ich mich beherrscht und erzwungen stabil wie selten. Mein Borderline-Depressionen-bipolar-Essstörungs-Medikamentenmissbrauchs-Panik-Kuddelmuddel wurde gefühlt zum prämenstruellen Syndrom degradiert. Dass ich auf die Therapie doch verzichte stört keinen und dass mein Schlafmittelvorrat zu Ende geht, bringt nur mich selbst auf die Idee, mal wieder zum Psychiater zu gehen. Nicht, dass das schlecht wäre, inzwischen ist es nichtmehr so quälend, sich gut zu fühlen. Wahrscheinlich brauche ich nur was zum abgewöhnen.

Dass er meinte, wir würden SM-mäßig "ja auch einigermaßen" zusammenpassen, hat mir weh getan, auch, wenn er das wahrscheinlich nur sagte, weil er nicht noch positiver klingen wollte und auch wenn ich garnicht aufhören kann, mir anderen Sex mit anderen Männern vorzustellen.
Genauer: mit Tobi. Nicht wegen ihm, ich übergehe in meinen Gedanken sein Gesicht und seine Stimme (weil ich weiß dass ich es muss), auch, wenn ich vorkurzem im Halbschlaf, von einem Orgasmus geweckt daran dachte, ihm zu schreiben - sondern weil ich mich begehrt fühlen will. Ich kann garnicht genau sagen woran es liegt, aber der Sex mit Tybalt kommt mir nicht so schmutzig und so befreiend vor. Ich bin schon richtig erregt, komme wirklich oft, aber ich fühle mich nicht gefickt.
Also denke ich an Tobi und als ich gestern erfahren habe, dass Georg mit Sophia zusammen ist, hat mich das den gesamten Abend beschäftigt, so geil bin ich auf ihn. Ich hoffe, das liegt an Intelligenz und ständigen SM-Anspielungen und nicht an seinen großen Eulen-Augen und dem Zynismus. Es wird Zeit.
Der Typ hinter der Kasse, der SdT und irgendein angeheirateter Scheinverwandter namens Jonas, dem ich grade mal 3 Minuten gegenübersaß waren in meinem Kopfkino bereits damit beschäftigt, mir ihren Schwanz in den Mund zu stoßen, während sie mich beschimpften und ohrfeigten.

25.4.11 21:19


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Während dem Porno schauen denke ich viel zu viel an Tobi (dabei will ich dich doch lieben!) und mir kommen die Tränen über soviel vergeudetes Leben. Was genau vergeuden ist, was weiß denn ich. Das hier fühlt sich zumindest nicht richtig an.
Egal.

Wenn ich nüchtern bin, kann ich wieder weitermachen. (?)

 

Here I stand, empty hands
Wishing my wrests were bleeding
to stop the pain from the beatings

28.3.11 15:45


Wu-ah. Betrunken und seltsam gelaunt. Hab die letzte(n) Woche(n?) nach der Uhr gelebt. Noch 50 Minuten Schule. Noch 32 Minuten schwimmen. Noch 15 Minuten im Regen stehen und der Anti-Atom-Kundgebung zuhören. Noch 4 Stunden, bis wir endlich aus München nach Hause fahren. Noch 10 Minuten Schlaf.
Geträumt habe ich auch nur von meinem Gewicht und der Schule. Ich kam mir so leer und uninteressant und angepasst vor, dass ich Angst hatte, Tybalt würde mich durchschauen. Ich liebe ihn, aber trotzdem ist es momentan nur noch eine Verpflichtung mehr (noch 53 Minuten telefonieren, noch 5 Seiten vorlesen). Einen Abend lang bin ich aufgegangen, als ich in den Ferien bei ihm war. Einen Abend lang wollte ich nichtmal einen Schluck trinken oder mich anders hinsetzen, ohne ihn um Erlaubnis zu bitten. Und dann drei Tage lang unbegründete Wut, Streitsucht und Selbstverletzungsdrang. Ich glaube er weiß garnicht so sehr wie ich, wie verschieden unsere Welten sind. Und dass ich mich frage, wann ich nach Hause fahre - auf dem Hin- oder auf dem Rückweg. Ich finde, ich werde viel zu anhänglich und unausstehlich. Und ich glaube, an irgendeinem Punkt werde ich nichtmehr bestehen. In 5 Tagen werde ich ihn schon wieder sehen.
Und ich weiß nichtmal, ob ich es schaffe, die Schule zu beenden.
Sechsungsechzig Komma Drei.
28.3.11 14:15


So oft gesagt und so oft gemeint, dass es inzwischen doch Wahrheit ist. Trotz Resi, die mir sagt, ich könne keine Gefühle zulassen (und ich weiß, dass es wahr ist), trotz 3 Stunden Heulen während er nicht da ist, und Sekt trinken und heimfahren wollen und trotz alledem. Es stimmt schon. Ich liebe ihn.
Glück bleibt trotzdem so weit weg. Ich habe eine Proanawebsite aufgebaut und grade getrunken und deswegen gefressen. Ich hangle mich durch verpasste Schultage und ungeliebte Treffen mit "Freunden". Ich werde wohl einen ökumenischen Friedensdienst in Lateinamerika machen und dabei Spanisch lernen, und dass ich danach vielleicht an der Uni Duisburg-Essen studieren will, hat weh getan, weil ich mich unweigerlich gefragt habe, ob ich klingeln werde und sage "Hallo. Ich wohne jetzt auch hier."
Mittwoch habe ich geheult, als ich von Tante Ina erzählt hab. Trotzdem ist sie nicht die richtige Therapeutin. Aber die richtige, um weiter ernste Themen vor mir herzuschieben, die richtige, um so weiterzumachen wie bisher schon. Aber da ich gemerkt habe, dass Kalorienzählen, Wände besprayen und Sekt zum Kikaninchen trinken auch reicht, werde ich mich schon durchhangeln.
Die Sehnsucht bleibt. Scheiße. Warum lebe ich eigentlich schon wieder nicht im Jetzt?

27.2.11 00:48


Dass "Ich liebe Dich" doch nur eine Lüge war, hab ich erst grade im Nachhinein gemerkt. Wenn man liebt, zweifelt man nicht ständig. Man ist dann nicht versucht, den leichten Weg zu nehmen und einfach alles hinzuschmeißen. Und genau das meinte er, als er sagte, ich sei kein guter Mensch.

Ich glaube nicht, dass ich mit dieser Therapeutin arbeiten kann. Wahrscheinlich bin ich aber einfach ganz generell nicht bereit oder geeignet für eine Therapie. Ich bin genervter und aggressiver denn je. Weiß echt nicht, ob ich die Schule nicht demnächst impulsiv abbreche. Immerhin müsste ich dann die ganzen beschissenen, strohdummen Hackfressen nichtmehr jeden Tag sehen und könnte auch ausziehen. Wahrscheinlich ginge es mir dann sogar besser, Menschen machen mich einfach krank. Und das ausnahmslos. Tybalt eingeschlossen. Mama eingeschlossen. Gestern Nacht habe ich sogar Zorro angeschrieen und wahrscheinlich hätte ich ihn auch getreten, wäre er nicht schnell weggelaufen. Meine Wut, an Hass grenzend, ist über alle Grenzen weggezogen.

10.2.11 16:42


Vor gut einer Woche hab ich den Kontakt zu Tobi abgebrochen. Ohne allzu großes Drama sogar. Grade hab ich seinen Blog wieder gelesen und natürlich tat es weh, aber ich hab gemerkt, dass ich einfach nicht wahr haben will, dass ich soviel Zeit einfach verschenkt habe. Das trägt sicher dazu bei, dass es für mich schlicht nicht vorstellbar ist, dass er so rein garnichts für mich fühlt. Und vielleicht hatte er Recht und ich bin nicht nur neidisch, sondern sogar ein bisschen böse auf ihn, dass es ihm jetzt so gut geht - denn so ganz selbstlos ist der Wunsch danach nicht geblieben. Ich hätte gern einen Ausgleich für 2 1/2 Jahre Verzweiflung. Für Auf-dem-Mädchenklo-heulen, für hunderte verschenkte Therapiestunden, für zuviel Wodka, für Panikattacken, durchwachte Nächte, dafür, dass ich Kraft investiert hatte, die ich selbst garnicht hatte. Für jahrelange ehrliche Liebe.

Auch wenn sich das übel anhört, läuft eigentlich alles. Ich bin zwar durchgehend grumpig, aggressiv und angepisst, und überhaupt meilenweit von "glücklich" entfernt, aber beschäftigt genug, um nicht zu verzweifeln.
Ich gehe wieder zur Schule, hatte einige Vorgespräche und werde auch nächste Woche wieder eines haben, unternehme jeden Abend was, hab mich für MUNBW angemeldet, werde die nächste Zeit auf einige Demos gehen, und vorallem: Ich hab mich gegen meinen eigenen Willen gezwungen, am Wochenende zu Tybalt zu fahren und zu meiner eigenen Überraschung wieder verliebt, zumindest ein wenig, was dann manchmal sogar doch ein bisschen glücklich macht.

4.2.11 18:03


Noch alleiner. Er will mich zurück, ein bisschen, Stück für Stück. Ehrlich? Und ich? Ich kann um nichts kämpfen, dessen ich mir nicht sicher bin. Mir ist seit 3 Tagen am Stück schlecht weil ich seit 3 Tagen am Stück fresse. Es nimmt alles kein Ende. Ich war an 2 von 5 Schultagen in der Schule, aber je öfter ich schwänze, desto schlimmer wird die Vorstellung, all die Mühen auf mich nehmen zu müssen. Früh Aufstehen, Lernen und diese ganzen beschissenen Leute. Warum kann ich sie nicht mögen? Ich will nicht weitermachen. Ich mache die gleichen Fehler wieder und wieder, wie blöd kann man eigentlich sein? Tobi redet mit mir und für knappe 3 Stunden geht es mir besser, dann ruft auch noch die Sekretärin an und sagt, vielleicht, ganz vielleicht gäbe es da doch noch eine Möglichkeit für einen Therapieplatz und die Pizza schmeckt wunderbar und Scrubs macht glücklich und als er weggeht ohne Tschüss zu sagen da merke ich die Zusatzstoffe in meinem Magen, Konservierungs-, Farb-, Geschmacks- und Suchtstoffe merke den Betrug und der Abspann von Scrubs läuft und es bleibt nur Verbitterung in meinem Magen. Und ichkannwillmuss morgen mit Felix und Lena nach Freiburg und dann Abends auf die Geburtstagsparty und dann kannwillmuss ich Sonntag aufs Veganerfrühstück und Dienstag und Donnerstag werde ich Arbeiten schreiben müssen, von denen ich nichts verstehe. In Deutsch habe ich noch eine schlappe 2+, weil ich eben doch nichts so kann, wie ich mir das dachte. In Deutsch! Verdammte Scheiße, und dabei habe ich mich angestrengt. Wie kann es sein, dass mein Herzblut nur eine 2+ verdient, verdammt nochmal, wie kann das sein? Ich bin nichtmal richtig verzweifelt, ich bin nur so voller aufgeblasener Luft, dass ich von all der Leere schon ganz aufgedunsen bin. Nichtmal zum Heulen reicht es. Nicht zum Trinken, nicht zum Schneiden. Und schon dreimal nicht zum Schreien. Bloß zum ewigen Schlafen und sich drücken. Sich Drücken, ja, ewiges sich Drücken. Das ist es nicht, wie ich leben wollte, nie. Ich würde umsovieles lieber volle Kanne auf dem Asphalt landen, Fresse vorraus, ein blutendes aufgeschrammtes Gesicht davon tragen als das hier. Schwaches, unehrliches Schluchzen alle paar Minuten. Selbsthass, der garnicht würdig ist, so genannt zu werden, unecht, wie er ist.
Ich fühle mich mürbe gemacht.

14.1.11 22:41


Ich bin so scheiße allein. Vermisse Tybalt und träume von ihm, aber ob das um seinetwillen ist? Ständig träume ich von alten Männern und eine Mischung aus Ekel und Anziehung haftet ihnen an. Schwebe gefühlte 10Kilometer über meinem Leben. Heulen muss ich trotzdem, den Dildo noch in mir.
Tobi geht es gut, er kommt voran, und ich? Muss ich hier bleiben, bis ich sterbe?

14.1.11 12:02


[..]Versteck dich hinter mir. Geh, mach dein Herz auf! Bevor ich dir was tu reiß ich mir meins raus.

Liebeslieder die nicht kitschig genug sind, um sie mit Augenrollen und einer abwertenden Handbewegung abzutun versauen mir meine Gefühllosigkeit.
Dass ich dabei an Tobi denke, macht auch nichts. Tybalt reagiert auf  jedes entgegenkommen doch nur mit Abschiedsfloskeln - sie sind zwar widerlich sentimental, aber er bleibt standhaft dabei, nur Tschüss zu sagen. Ich weiß eh nicht, wie ich aus Vernunft und Erdulden hätte Liebe machen können, aber trotzdem hätte ich meinen Enkeln mehr zu erzählen gehabt als dass ich meine besten Jahre mit hoffnungslosem Liebeskummer verbracht habe. Scheiße, dass es nie so ausgeht wie in Märchen und in Hollywoodfilmen, in denen sich das lohnt.

5.1.11 14:48


14 Stunden Schlaf am Tag sind Dank Medikamentenüberdosierung keine Seltenheit mehr. Ich träume von Charlie und Mia, von Sex mit Georg, von Pokemon und dem Tod, schreckliche Träume sind das und ich jedes Mal aufs neue schweißgebadet. Wenn ich aufstehe um zu essen fühle ich mich fiebrig und unwirklich. Nichts kann mich aufmuntern, jede Nachricht, und ist sie noch so gut, kommt mir vor wie ein weiterer Albtraum. Es wird niemals aufhören, denke ich. Ich will, ich muss sterben. Todkrank, so fühle ich mich.
Ich will nicht noch ein solches Jahr.

31.12.10 19:43


Vor gut einer Woche - ich hab vor heulen schon fast keine Luft mehr bekommen und seine Akten vor Wut vom Schreibtisch gefegt, geschrieen und gesagt, ich würde nachher mit dem Auto vor einen Baum fahren - zuckte mein Psychiater unbeteiligt die Schultern und sagte, er könne mir jetzt auch nicht helfen.
Nach einem eineinhalbstündigen Vorgespräch lächelte der Analytiker mit dem Adelstitel gestern unsicher, sagte irgendwas von Kapazitäten und auf seine eigene Belastung achten und endete mit: SiesindmireinzuschwererFallichkannnichtmitihnenarbeitenvielGlückbeimweitersuchen.

Ich fühle mich allein gelassen. Weil Ferien sind und ich weiß, dass ich die nächsten zwei Wochen von Morgens bis Abends Kika und stumpfe amerikanische Sitcoms anschauen werde. Weil Tobi sich nicht meldet, nichtmal sturzbetrunken (heute Nacht war er in meinem Traum mit seiner Freundin zusammengezogen und wollte ein Kind o.O), weil niemand mir helfen will. Julie schreibt keine wirkungslosen "Ich hab genau gesehen, dass du dich wieder geschnitten hast, rede mit mir!"-Briefchen mehr, Cathrin zwängt meiner Mutter nicht gegen meinen Willen ein "Lisa muss wieder in die Klinik"-Gespräch auf, Sonja heult nicht vor Sorge und die Therapeuten sagen nur "Mhm, ich weiß auch nicht, was man jetzt tun sollte."

22.12.10 11:52


Ich hab mich am Freitag zwischen all den plakatetragenden, a-anti-anticapitalistarufenden Demonstranten irgendwie nicht mehr so gefühlt, als würde ich irgendetwas bedeutendes tun. Die Begeisterung vom 4. April ist längst verflogen und zurück bleibt das Gefühl, einer winzigen, müden Opposition anzugehören, die selbst schon zu hypnotisiert ist, um dran zu glauben.
Ich weiß nicht, was das noch soll, wenn HD-Fernsehen und an Tieren getestete Venlafaxin das Einzige bleiben was ich noch zu erwarten habe.
Uncle Sam lacht sich ins Fäustchen, ich spüre meine Wut unter all der Resignation fast nichtmehr. 

12.12.10 11:13


Lass mich gehen, ich will nur weg von hier. Weit weg, weit weg von dir.

Er hat mich angeschrieben und gefragt, wie es mir geht und ich musste aus tausend verschiedenen Gründen heulen:
Weil es ihn kümmert, weil er es ist, weil er noch in Therapie ist, weil es ihm noch okay geht, weil er mit ihr zusammen war und weil er Schluß gemacht hat, weil er Schuldgefühle hat und ich ihm immernoch egal bin, weil sich alles zu ändern scheint und weil alles gleich bleibt, weil es keine Chance gibt.

Ich muss verdammt nochmal fliehen.

5.12.10 14:23


Alors tu vois, comme tout se mêle

Vielleicht ist die wiedergekommene Libido zumindest sowas wie ein Zeichen, dass es vielleicht irgendwann wieder besser wird und nicht so bleiben muss, für immer. Vielleicht schaffe ich es, etwas anderes zu tun als zu schlafen und vielleicht gehe ich Freitag wirklich demonstrieren, sollte ich nicht in der Zwischenzeit schon vergessen haben, wie man das nochgleich macht, und Samstag mit dem SMJG-Stammtisch auf den Weihnachtsmarkt, vielleicht schaffe ich mir eine Affäre an, nicht um mir verzweifelt zu beweisen, dass ich Tobi ja doch nicht vergesse, sondern, um etwas zu tun zu haben, vielleicht werde ich in den Weihnachtsferien nicht jeden Abend trinken und Tabletten schlucken und verzweifeln, sondern Freunde treffen und das Gefühl haben, dass sie das wirklich sind, vielleicht rufe ich morgen Mias Patentante an und bitte sie, mir zu versprechen, dass er es schaffen kann, vielleicht bemühe ich mich dann ernsthaft auch um einen eigenen Therapieplatz und vielleicht wird es wirklich irgendwie, irgendwann besser.
5.12.10 13:09


Übelkeit nach jedem Bissen, aber etwas anderes als Essen bleibt mir garnicht übrig, um nicht durchzudrehen. Meine Suizidgedanken werden mir vermiest von einem vorauseilenden schlechtem Gewissen meiner Mutter gegenüber.
Ich träume den ganzen Tag unruhig von einem Bauernhof, meinem, - ich habe nicht genug Platz, ob ich das Pony weggeben muss?- und von einer Welt, in der ich wieder die hässlichen, breiten Stufen zu seiner Wohnung hinauftraben kann, ohne Angst haben zu müssen.
Als mein Handy heute morgen klingelte, habe ich für einen Moment gehofft, er wäre es, betrunken und unliebenswert, angerufen nur, um mich zu beschimpfen. Ich hatte vergessen, den Wecker auszuschalten.
Heute Morgen in der Bücherei hat ein widerlicher Alkoholiker seine unsympathische Wortkotze über den Menschen am anderen Ende der Funkverbindung ergossen, und ich habe mich geschämt, mich so in seinen Worten wiederzuerkennen.


Et si ça fait mal c'est parce qu'il comprend pas
Que nul ne nage dans ton coeur depuis longtemps
Et si ça fait mal c'est parce qu'il te voit pas
Alors que ton sourire enfin s'éteindra.
[Coeur de pirate]

4.12.10 19:21


No you never were and you never will be mine.

Witzig, dass mir erst gestern aufgefallen ist, dass Tobi nicht nur Ähnlichkeit hat, sondern der personifizierte Charlie ist und ich Rose, wo ich doch schon so lange Two and a Half Men zur Abengestaltung nutze. Nur, als ich nach England geflogen bin, auch nur zum Schein, da blieb er einfach auf seinem zerfetzten Schreibtischstuhl zwischen seinem Bierflaschenarsenal sitzen, wie festgefroren. Jetzt muss ich im verregneten London bleiben.
Längst überfällig wie er war ist er nun endlich in meinen Träumen aufgetaucht, als der Einzige, mit dem ich guten Sex haben kann manchmal, immer aber als der Einzige, den ich lieben kann.

Ich gestalte mein Leben so, wie ich es verachte, Schule, Konsum, Fernsehen und die unvermeidbare Resignation, gegen die alle Psychopharmaka der Welt nicht helfen können. Der Brief, in dem ich ihm erkläre, dass ich in Tobi verliebt bin, es aber garnicht wirklich Tobi ist sondern irgendein idealisiertes Trugbild (ob ich das wohl selber glaube?), er mir gut tut (das glaube ich) und ich ihn in meinem Leben haben will (das nicht, er ist mir egal), ist bei Tybalt angekommen. Er sagte, er habe jetzt keine Zeit zum reden, wollte gleichgültig klingen, und ich antwortete ebenso gleichgültig, allerdings unabsichtlich.

Lena versteht mich immer mehr, je dünner sie wird,Sonja bemitleidet mich mehr als ich sie und die Nummer von Mias Patentante hab ich immer noch nicht gewählt, obwohl ich mir nichts sehnlicher wünsche, als zu hören, wie es Tobi geht.

30.11.10 18:55


Wintermärchen am Hauptbahnhof

 Die erste klebrige Puderzuckerdecke des Jahres liegt provozierend sanft auf Dächern, Wiesen und Straßen, die Flocken, dick wie Kinderfäuste, schweben noch immer vom Himmel. Sie wirbeln mehr nach rechts und links als nach unten, ganz so, als würden sie sich weigern, den Boden zu berühren, Als wüssten sie, dass sie irgendwann zu grauem, ungeliebtem Dreck krepieren. Unter den nasskalten Füßen knirscht es und all die kleinen Individualisten verfangen sich in dem Haar der vorbeihetzenden Menschenmenge, wo sie zu ewig gleichen Wassertropfen schmelzen. Die Vergänglichkeit sticht genugtuend in mein Herz, wenn sie sich in suizidaler Absicht auf die Bahngleise legen. Lautlos.
Die Stille des Winters kreischt wie die Zugbremsen, als die Türen sich öffnen und ein weiterer grauer Pulk sich auf die überfüllten Gleise drängt.
Die Zigarettenstummel leuchten im Halbdunkel (ob es wohl morgen ist oder abend?) in harmonischem Einklang mit der Renntierbeleuchtung, die im Hintergrund über dem Eingang eines großen Kaufhauses prangt.
Ein paar Saatkrähen streiten sich müde um das Stück Lebkuchen, das fast unangenehm auffallend in das Vorweihnachtsbild passt. Ein stinkender Alter zieht eine vornehme Dame am Ärmel und bittet sie um etwas Kleingeld. „Is’ doch bald Weihnachtn“, lallt er. Ärgerlich schüttelt sie ihn ab und zieht naserümpfend weiter. Der Nächste, es ist ein Mann Mitte zwanzig, Student vielleicht, sicher Sonderpädagogik, steckt ihm einen 5-Euro-Schein zu. Der Alte bedankt sich nicht, humpelt nur schnell davon, seinen Sack voller Habseligkeiten hinter sich herschleifend.
In den erleuchteten Schaufenstern sind die Adventskalender „um bis zu 50%!!!“ reduziert und eine ökumenische Pfadfindergruppe versucht, an die wahre Bedeutung von Weihnachten zu erinnern. [....]

26.11.10 12:13


I am nothing if I'm not with you

Ich habe den ganzen Tag gewartet und geweint und geschrieen, aber als er endlich vollkommen dicht ans Telefon ging, habe ich es dennoch getan. - Mia sagte, dass ich müsse, wenn ich ihn wirklich liebe. Da habe ich gewusst, dass es kein Zurück gibt.
Im Auto hatte die Verzweiflung schon längst aufgehört, die Leere machte meine Suizidgedanken aber nur noch drängender. Ich habe den Arzt in Freiburg gehasst und mit der Betreuerin in Emmendingen um 1 Uhr Nachts schon wieder Witze gemacht, sodass sie mich fragte, ob ich manisch sei.
3 Tage habe ich nur fern gesehen und zu viel und zu schlecht geschlafen, dann sagte mir der Chefarzt, ohne mich je davor gesehen zu haben, dass ich wieder nach Hause solle.
In der Welt meiner Mitbewohnerin war ein angebissener Apfel Jesus ,das Seidentuch in der Ergotherapie ihre letzte Beziehung und ich, da war sie sich wirklich sicher, Momo. Als ich ging, sagte sie, dass es mir nicht so schwer fallen könne, wieder ins Leben zurückzukehren, da ich nie so wirklich herausgerissen geworden wäre. Ich lächelte und sagte "Wahrscheinlich haben Sie Recht", aber was ich dachte war, dass ich nie wirklich drin war.
Wieder zu Hause war es, als hätte ich bloß geträumt, so nahtlos wurde von mir erwartet, wieder zu funktionieren, aber ich wollte es auch.

Heute haben wir in Gemeinschaftskunde über Linksextremismus geredet und als das Gespräch auf die Anti-Nato-Demo kam, war es, als sei ich nie da gewesen und meine Erinnerung bloß gestohlen, erfunden, erträumt. Vielleicht, so dachte ich später, als in einem Buch das Wort Badeanstalt vorkam und ich einen Stich im Herz spürte, wird es auch mit Tobi irgendwann so sein. Vielleicht werde ich irgendwann den Gedanken an ihn so verscheuchen können wie einen lästigen Traum, an den man sich am Morgen noch ganz gut erinnert, von dem am Abend aber bloß noch ein paar Fetzen übrigbleiben. Wenn überhaupt.

24.11.10 16:34


Ich habe allen gesagt, dass ich vielleicht wieder in die Klinik gehen werde.
Aber was bringt es denn, zu gehen, wenn ich nur darauf warten werde, dass er mir zuruft, ich solle zurückkommen, mir hinterherläuft. Ich werde warten, bis ich alt und grau bin, aber ich weiß, dass ich mir das selbst nicht glauben kann.

19.11.10 19:23


Vielleicht gibt es nichts Schrecklicheres, als 3 Stunden lang starr und verzweifelt auf einem Stuhl zu sitzen und sich vor seelischer Erschöpfung nicht einen Zentimeter bewegen zu können.
Den gefühlten Kontrollverlust kompensiere ich mit weniger als 500 Kalorien am Tag und DXM.
Als ich gestern ins Bad gestolpert bin, kaum mehr den Lichtschalter erwischend, war ich mir sicher, dass das hier garnicht mein Zuhause ist, dass man mich verarscht.
Später dann habe ich geträumt, ich sei bei Tobi und 30 andere Leute auch, ich habe vor aller Augen mit einem Typen gefickt und einen Orgasmus vorgetäuscht, um Tobi heimzuzahlen, dass er seine 16-jährige schwangere Nachbarin mehr mochte als mich.

19.11.10 10:12


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DIE TAGE WERDEN ENGER.

Durch einen Riss am Himmel
sieht sie wie die Zeit vergeht.
Sieht das Chaos, sieht die Sterne
und wie schnell die Welt sich dreht.

Ein Leben wartet irgendwo da draußen auf sie
eines, das all die Mühen lohnt.
Sie sagt, sie sucht es morgen
und manchmal glaubt sie, was sie sagt.

Die Tage werden enger, die Wege länger.
Es wird nichts mehr kommen,
ihr Abstieg hat begonnen.
Sie sieht nicht mehr hin.


Den Kopf voll Todesphantasien.
Der Wunsch zu fliehen lässt sie nicht los.
Die Angst ist groß, nichts kann sie retten.
Ein Berg Tabletten bringt sie durch den Tag.


Ihre Wut und die Nächte sind
ein Labyrinth aus Dornen und Blut.
Stummer Schrei, frische Klingen, der Drang zu springen - endlich aus und vorbei.

Sie träumt sich frei.
Sie stolpert voran,
so schnell wie sie kann
doch alles rast an ihr vorbei.