No matter which way you go

Gott, ich bin so naiv. Ich dachte, das könnte so bleiben, endlos so weitergehen. Ich lebe in seiner Welt, er nicht in meiner.
Freitag hat er am Telefon gesagt, dass er endlich mal sehen wolle, wie ich wohne. Dass er sich ja reinschleichen könnte. Ich habe gelacht und gesagt "Ja, vielleicht mal, wenn meine Eltern beide weg sind." Und gemeint hab ich: Nie. Das geht einfach nicht.
Heute Nacht hab ich dann davon geträumt, dass wir schwimmen gehen, und plötzlich sind alle da. Alle möglichen Nachbarn, Bekannte, Verwandte, Freunde von mir. Alle glotzen und lästern und Kuni schreit empört auf.
Ich weiß, dass es unfair ist. Dass es für ihn auch nicht leicht ist, mich jedem vorzustellen - man sieht mir schließlich an, dass ich die 20 nochnicht überschritten habe, selbst, wenn man nicht nachfragt. Aber dann denke ich wieder: Er hat es doch leichter. Er hat keine empörten Eltern, mit denen er zusammen leben muss, denen er in die Augen sehen muss, die denken, dass er auf irgendwelche Versprechungen reingefallen ist, verblendet und unfähig. Unreif, vorallem. Er hat Freunde, die selbst irgendwie oft nicht ganz normal sind und deswegen viel toleranter. Die auch schon gewohnt sind, dass seine Freundinnen oder Affären oft nicht ganz in seiner Altersklasse sind.
Und ich habe welche, die sich empören, dass der 19-jährige Soundso, der letztes Jahr Abi gemacht hat, mit einer 15-jährigen Zehntklässlerin zusammen ist. Und dass einer von Noras Exfreunden ein Baby hat. Ich habe welche, die wahrscheinlich garkeine richtigen Freunde sind. Denen ich soviel nicht erzählen will. Die ich nicht vermissen werde, wenn ich in nichtmal einem Jahr mit der Schule fertig bin und weggehe. Mit denen ich nur deshalb befreundet bin, weil sich nichts besseres findet und sie schon ganz okay sind. Oder?
Ich hab Lena mein Profil im Joyclub gezeigt, ihr gesagt, dass ich auf SM stehe, und was wir zwei so machen. Tybalts Alter konnte ich ihr nicht sagen - wieso nicht? Und weiß Claudi es? Blendet sie es aus oder ist es für sie nicht weiter schlimm?
Er hat gesagt, ich würde ihn geheimhalten. Ich hab behauptet, dass das doch nicht stimmen würde, aber es stimmt sehrwohl. Hab ich total übertriebene Ängste? Würden alle es irgendwie akzeptieren, das Thema einfach umgehen? Ich kann es mir fast nicht vorstellen, so sind sie nicht. Es ist doch nur noch ein Jahr, sie haben fast alle austauschbare Rollen. Warum will er, dass ich es mir zur Hölle mache? Dass meine Mutter mich immer mit sorgenvollen, zeitweise verheulten Augen ansieht? Wir uns fremd werden? Ich gemieden werde, merke, wie Leute, die das garnichts angeht, über mich lästern?
Ist das die Definition von Liebe? Dass man das in Kauf nimmt, wenn man es auch einfach sein lassen könnte? Ich fühle mich scheiße, feige und irgendwie gemein.

28.8.11 12:22
 


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DIE TAGE WERDEN ENGER.

Durch einen Riss am Himmel
sieht sie wie die Zeit vergeht.
Sieht das Chaos, sieht die Sterne
und wie schnell die Welt sich dreht.

Ein Leben wartet irgendwo da draußen auf sie
eines, das all die Mühen lohnt.
Sie sagt, sie sucht es morgen
und manchmal glaubt sie, was sie sagt.

Die Tage werden enger, die Wege länger.
Es wird nichts mehr kommen,
ihr Abstieg hat begonnen.
Sie sieht nicht mehr hin.


Den Kopf voll Todesphantasien.
Der Wunsch zu fliehen lässt sie nicht los.
Die Angst ist groß, nichts kann sie retten.
Ein Berg Tabletten bringt sie durch den Tag.


Ihre Wut und die Nächte sind
ein Labyrinth aus Dornen und Blut.
Stummer Schrei, frische Klingen, der Drang zu springen - endlich aus und vorbei.

Sie träumt sich frei.
Sie stolpert voran,
so schnell wie sie kann
doch alles rast an ihr vorbei.