No matter which way you go

Papa ist tot.
Mama hat gesagt, er weiss, dass ich ihn geliebt habe, und ich hoffe, dass sie recht hat. Verstehe es aber sowieso noch nicht so richtig und vermisse stattdessen Bernhard noch mehr.
Ich habe das Gefühl, dass mir alles weggenommen wird und ich garnichts beeinflussen kann. Daheim sein ist schrecklich, ein Käfig aus Mamas Tränen, wenn man sie nicht erwartet und aufgesetzter Heiterkeit, wenn man sie nicht brauchen kann. Ich kann nicht richtig schlafen und nicht wach sein, ständig Kondolenzbesuch, der pisst mich an. Alle wollen mich umarmen und denken böse Dinge, wenn ich mal lächle. Lächeln darf man nämlich nicht, wenn jemand gestorben ist. Wahrscheinlich monatelang nicht, wenn es der eigene Vater ist. Man darf auch nicht an die eigene Zukunft denken und sich überlegen, wie man mit alledem am Besten zurecht kommt. Nur weinen und garnix denken, schätze ich.

Ich habe ein Buch, da wird die Protagonistin immer fickrig, wenn etwas sie beunruhigt oder traurig macht. Bei mir ist es anders rum. Ich schaue Pornos und besorgs mir und danach ist mir nach Casper und Sekt. Jaja, Casper und Sekt! Es scheint, als würden sich bestimmte Dinge nie ändern. Ich fühle mich schon betrunken, bevor ich den Sekt überhaupt hergeholt habe.
Ich denke viel über die Vorteile davon nach, einem Partner treu zu bleiben, auch, wenn man ihn garnichtmehr liebt. Oder nichtmehr so richtig. Aber meine Mutter hat meinen Vater irgendwie doch noch geliebt, einfach, weil sie so viel zusammen durchgemacht haben, einfach deswegen. Ich hab das immer zum Kotzen gefunden. Aber jetzt erzählt sie von vor 40 Jahren und ich sehe den Mann meiner Tante auf Bildern mit meinen Großeltern und Urgroßeltern von 1975 und denke, mann, zumindest hat man dann immer ein Zuhause. Wo kommt denn so ein Zuhause her, wenn man Beziehungen heute einfach so wegwirft? Wenn du sie einfach so wegwirfst, Bernhard.
Ach, ach. Wenn eine 20-jährige einen Platz auf dem Friedhof für ihren Vater aussuchen muss, ist das nicht richtig. Das darf so noch nicht sein, finde ich. Die Eltern beerdigt man, wenn man erwachsen und langweilig ist, ein Haus hat und einen Baum und zwei Kinder, für die man stark sein muss, und einen Job, der einen anpisst und alles ganz langweilig ist, tag ein, tag aus, immer das selbe. Ich hab nichtmal einen Alltagstrott, der mich retten kann. Und schon garkeinen Ehemann. Toll hast du das gemacht. Das hab ich davon, mich so auf dich einzulassen.

4.11.12 15:05
 


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DIE TAGE WERDEN ENGER.

Durch einen Riss am Himmel
sieht sie wie die Zeit vergeht.
Sieht das Chaos, sieht die Sterne
und wie schnell die Welt sich dreht.

Ein Leben wartet irgendwo da draußen auf sie
eines, das all die Mühen lohnt.
Sie sagt, sie sucht es morgen
und manchmal glaubt sie, was sie sagt.

Die Tage werden enger, die Wege länger.
Es wird nichts mehr kommen,
ihr Abstieg hat begonnen.
Sie sieht nicht mehr hin.


Den Kopf voll Todesphantasien.
Der Wunsch zu fliehen lässt sie nicht los.
Die Angst ist groß, nichts kann sie retten.
Ein Berg Tabletten bringt sie durch den Tag.


Ihre Wut und die Nächte sind
ein Labyrinth aus Dornen und Blut.
Stummer Schrei, frische Klingen, der Drang zu springen - endlich aus und vorbei.

Sie träumt sich frei.
Sie stolpert voran,
so schnell wie sie kann
doch alles rast an ihr vorbei.