No matter which way you go

Ich hab mich ganz gut gehalten, für die Umstände. Zumindest glaube ich das.
Manchmal, wenn ich mit meiner Mutter die Tür reingestolpert komme, will ich laut "Hallo" rufen. Manchmal passiert es mir sogar und dann tue ich so, als hätte es dem Kater gegolten. Nachts träume ich, dass mein Vater noch lebt und tags behandle ich sein Erbe nicht so, wie ich es tun sollte. Sein Erbe (das Wichtige, nicht die eine Hälfte aller seiner Dinge, die es faktisch sind), das ist das Buch, dass er mir auf seinem Schreibtisch hat liegen lassen. Es hat einen komischen Titel, irgendwas mit Sklavenplanet, aber es geht um Spirituelles, darum, sich seine Welt zu erschaffen und sie nicht erschaffen zu lassen. Ich habe also als Vorbereitung darauf nochmal "Bestellungen beim Universum" gelesen und mir endlich "Gespräche mit Gott" bestellt. Das macht mich aber zu wütend, um es ganz zu lesen, mit seiner ganzen Missachtung von zwischenmenschlichen Beziehungen und zwischenmenschlicher Liebe. Und bevor ich das nicht gelesen habe, kann ich das andere nicht verstehen. Deswegen liegt es jetzt auf meinem Schreibtisch, Papas Erbe, und wartet darauf, dass ich irgendetwas damit anfangen kann.

Vorgestern war mein letzter Tag im Kinderhaus. Ich habe eine kitschige Karte bekommen und ein cooles Buch und teure Buntstifte hingebracht. Ein paar Umarmungen von Leuten, von denen ich nicht weiß, ob ich sie mochte, und dann war ich schon weg, mit meinen Birkenstocksandalen, ohne Kinderhausschlüssel. Spektakulär unspektakulär. Kinder vermissen einen nicht, wenn sie einen nicht sehen und nichts von einem hören.

Vielleicht geht es Bernhard mit mir genau so? Heute ist wieder ein schlimmer Tag. Heute blieb zum ersten Mal Schnee liegen, pünktlich zum ersten Advent, na bitte! und ich denke daran, wie wir letztes Jahr, als meine Großcousine da war, zusammen beim Plätzchen backen geholfen haben. Ich denke daran, wie gerne ich Schlitten fahren gehen würde mit ihm. Und wie gern mit ihm Weihnachten feiern. Wie ich letztes Jahr am 22. durch Freiburg gelaufen bin, und es gab einen Schneesturm, wunderschön war der, und ich musste ganz langsam laufen, damit ich nicht ausrutsche. Als ich bei dir ankam, war es schon vorbei, aber der Schnee war noch da, und wir konnten uns die weiße Decke von deinem Balkon aus ansehen. Dein Zimmer war wie eine warme, kuschelige Höhle gegen all die Kälte da draußen. Du warst so eine Höhle. Ja, heute ist ein ganz böser Tag.
Die letzten 4 oder 5 Tage waren besser. Da konnte ich an dich denken, ohne, dass es mir das Herz zerrissen hätte. Da hab ich so viel verstanden und dachte sogar, dass ich dir vielleicht schreiben könnte, dass ich mit dir befreundet sein will. Nicht jetzt, aber irgendwann bald, wenn ich das irgendwie komplett verkraftet hab.
An solchen Tagen weiß ich, woher das alles kommt. Dass ich zwei Ängste habe, seit wir nicht mehr zusammen sind. Die eine ist die vor dem Alleinsein und wahrscheinlich hat die jeder, der verlassen wurde. Und die zweite ist die, dass alles, was schön war zwischen uns, irgendwie verloren geht. Ich weiß, dass das nicht stimmt. Aber dass du so schnell eine neue Beziehung eingegangen bist, das macht mir Angst. Das gibt mir das Gefühl, dass dir all das zwischen uns nichts wert war. Dass es für dich vorbei ist, dass ich für dich gestorben bin. All sowas. An solchen Tagen kann ich dich verstehen. An solchen Tagen merke ich, dass es vielleicht nicht meine Entscheidung gewesen wäre, mich zu trennen, dass ich deine aber nachvollziehen kann. An solchen Tagen weiss ich, dass wir nicht so glücklich waren, wie es sich gehört. Dass alles, wobei ich an dich denken muss, eigentlich nicht zwingendermaßen schön war. Ja, ich muss in Baumärkten an dich denken. Aber haben wir uns nicht gestritten, als wir den Käfig gebaut haben? Ja, ich muss oft daran denken, wie wir uns drei Tage lang nur von Butterbaguette und Pizza ernährt haben. Aber fanden wir das witzig oder haben wir beide nicht in Wirklichkeit bloß an unsere dicker werdenden Bäuche gedacht? Ja, ich würde gerne in deinem Bett liegen und mit dir kuscheln, aber würdest du dich nicht bloß wieder ärgern, dass ich um 10 Uhr einschlafe?
Ich vermisse viel an dir. Wahrscheinlich vermisse ich, dass du mir gezeigt hast, wie es geht, romantische Gefühle und Gesten zuzulassen und darin glücklich zu sein. Klar, ich vermisse nichts, was nicht auch ein anderer Kerl haben könnte, so würde Lena das sagen. Aber das tut man doch nie. Keine Eigenschaft ist einmalig. Aber ich würde dir so gerne durch deine dunkelblonden Haare wuscheln und wissen, dass du da bist. Ich würde gern deinen nackten, warmen Körper an meinem spüren und wissen, dass du mich beschützt. Ich weiss nicht, ob ich dich noch liebe. Keine Ahnung, ob man das überhaupt wissen kann, wenn man einander 6 Wochen lang nichtmehr gesehen hat. Aber ich weiss, dass ich dich vermisse. Vielleicht vermisse ich dich bald wenig genug, um mit dir befreundet sein zu können. Das würde ich mir wünschen.

 

2.12.12 10:23
 


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DIE TAGE WERDEN ENGER.

Durch einen Riss am Himmel
sieht sie wie die Zeit vergeht.
Sieht das Chaos, sieht die Sterne
und wie schnell die Welt sich dreht.

Ein Leben wartet irgendwo da draußen auf sie
eines, das all die Mühen lohnt.
Sie sagt, sie sucht es morgen
und manchmal glaubt sie, was sie sagt.

Die Tage werden enger, die Wege länger.
Es wird nichts mehr kommen,
ihr Abstieg hat begonnen.
Sie sieht nicht mehr hin.


Den Kopf voll Todesphantasien.
Der Wunsch zu fliehen lässt sie nicht los.
Die Angst ist groß, nichts kann sie retten.
Ein Berg Tabletten bringt sie durch den Tag.


Ihre Wut und die Nächte sind
ein Labyrinth aus Dornen und Blut.
Stummer Schrei, frische Klingen, der Drang zu springen - endlich aus und vorbei.

Sie träumt sich frei.
Sie stolpert voran,
so schnell wie sie kann
doch alles rast an ihr vorbei.