No matter which way you go

In 14 Stunden sitze ich im Flugzeug nach Guatemala.
Meine größte Angst gilt nichtmehr dem Flugzeugabsturz, sondern dem, dass ich in lauten, europäisch anmutenden Diskos grampfig auf Stühlen sitze und meinen Mitreisenden zuschaue, wie sie sich amüsieren, in der Hoffnung, mich damit weniger selbst auszuschliessen als damit, bei meiner Gastfamilie zu bleiben. Und K.O.-Tropfen in Cocktails und lachenden, dunklen Banden von Guatemalteken, die mir mein Geld nehmen und Aids und Leben lassen. Huah, was für überbesorgte Gedanken. Und selbst da macht mir das tanzen noch mehr Angst.
Ömer wollte grade nochmal mit mir telefonieren und ich grinse über beide Ohren, als wir auflegen.
Ich bin nicht so blind, kopflos begehrt von ihm, wie ich mir das wünschen würde. Und wir verstehen uns nicht auf so vielen Ebenen, wie ich mir das wünschen würde.
(Oder wie ich vielleicht denke, dass es ein angemessener Preis dafür sein könnte, mit jemandem ins Bett zu gehen, der 23 Jahre älter ist als ich. Ich muss so oft an Tybalt denken in der letzten Zeit und daran, wie gerne ich hätte, dass gute 30 Jahre und eine Tochter, die fast so alt ist wie ich, egal sind, wenn man sich nur so sehr so einig ist. Einig, das trifft es. Ich wünschte mir, der Gesellschaft wäre das egal, vorallem aber, mir wäre das egal. Ich denke an seinen Sai-Baba-Alter, seinen kurzen, dicken Schwanz in mir und an Sommernächte und Fasnachtskälte, Seile um meine Handgelenke und Sprühdosen, eine Flasche Wein vor mir, Tränen, während er im Nebenzimmer Mollstücke auf der Geige spielt und daran, glücklich und nackt auf der Fensterbank zu sitzen und die Kalker Tage vorbeiziehen sehen.)

Aber morgen bin ich im Flugzeug, übermorgen in Guatemala und in 2 Wochen richtig angekommen. In zweieinhalb Monaten bekomme ich von Ömer Striemen auf meinen Hintern, in drei muss ich mich fragen, ob das halbe Jahr gereicht hat, um Bernhard nicht mehr zurück zu wollen und irgendwann dazwischen muss ich mich entscheiden, ob ich hier bleibe oder weggehe, Katholische Theologie studiere oder irgendetwas anderes, irgendwo anders.

Meine Tante hat meine Chakren in die richtige Position gebracht, mich auf die Reise eingestimmt und ich merke, dass es geholfen hat. Es gibt ein Chakra, dessen negativer Glaubenssatz ist "Wenn ich mir nicht ständig Sorgen mache, werden ich sterben." Na, wenn da mal nicht der Hund begraben liegt!
Als ich mit ihr in der Praxis saß und Tee getrunken habe, als ich mit meiner Mutter meine Henkersmahlzeit gegessen habe, als ich kürzlich auf Ömers Schoß lag - in diesen Momenten hab ich die Zeit dafür verflucht, dass sie sich nicht anhalten lässt, scheißegal, wie sehr man bittet und bettelt.
Ich hätte gerne Standby, bis ich bereit zum Weiterleben bin, bis ich bis hierhin alles verdaut habe. Kurz Pause drücken, das wär echt angebracht.

18.1.13 23:50
 


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DIE TAGE WERDEN ENGER.

Durch einen Riss am Himmel
sieht sie wie die Zeit vergeht.
Sieht das Chaos, sieht die Sterne
und wie schnell die Welt sich dreht.

Ein Leben wartet irgendwo da draußen auf sie
eines, das all die Mühen lohnt.
Sie sagt, sie sucht es morgen
und manchmal glaubt sie, was sie sagt.

Die Tage werden enger, die Wege länger.
Es wird nichts mehr kommen,
ihr Abstieg hat begonnen.
Sie sieht nicht mehr hin.


Den Kopf voll Todesphantasien.
Der Wunsch zu fliehen lässt sie nicht los.
Die Angst ist groß, nichts kann sie retten.
Ein Berg Tabletten bringt sie durch den Tag.


Ihre Wut und die Nächte sind
ein Labyrinth aus Dornen und Blut.
Stummer Schrei, frische Klingen, der Drang zu springen - endlich aus und vorbei.

Sie träumt sich frei.
Sie stolpert voran,
so schnell wie sie kann
doch alles rast an ihr vorbei.